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LitG AM: Ulrich von Zatzikhoven, "Lanzelet"

Dozent/in

Details

Zeit/Ort n.V.

auch für LA RS; 73811

Inhalt

Es mag als ein Kuriosum der Literaturgeschichte erscheinen, dass gleich einer der allerfrühesten überlieferten Vertreter des deutschen Artusromans in der Forschung eher als problematischer Sonderfall denn als prototypischer (Mit-)Begründer einer Erzähltradition betrachtet wird. So sicher ist man sich nämlich nicht, ob dieser – jedenfalls höchst unterhaltsame! – Versroman des späten 12. Jahrhunderts tatsächlich ganz seriös, aber qualitativ zuweilen etwas defizient – um nicht zu sagen: trashig – umgesetzt ist, oder ob gar eine durchaus clevere Parodie (identifizierbarer) französischer Vorbilder am Anfang der deutschsprachigen literarischen Reihe steht. Die fröhlich vor sich hin mäandernde, manch gewagte Volte schlagende Handlung hier nachzuzeichnen fehlt der Raum (zumal Sie ja selber lesen können), nicht wenige Einfälle sind schlicht so grotesk, dass die Frage, wie ernst gemeint sie wohl seien, sich in ungläubigem Gelächter auflöst. Und doch steckt in der Geschichte des titelgebenden wandernden Königssohns, der seine eigene Identität nicht kennt und sein Erbrecht mühsam erstreiten muss, (fast) alles drin, was die Gattung zu bieten hat: Providenz und Prädestination, Liebe und Krieg, edle Ritter und schöne Damen, den abenteuerlichen Aufbruch ins Unbekannte, monströse oder zauberkundige Gegner, Artushof und Feeninsel, Krisen und Tugendproben – der "Lanzelet" wirkt wie eine vogelwilde Gesamtschau des ritterlich-höfischen Erzählrepertoires. Damit eignet er sich vorzüglich als Grundlage eines Seminars, das exemplarisch die wichtigsten literaturgeschichtlichen und –wissenschaftlichen Fundamente der Germanistischen Mediävistik thematisiert – u. a. Stoffgeschichte, Wiedererzählen und Fiktionsverständnis; das Verhältnis von Hintergrundkultur, Literatur und RezipientInnen / InterpretInnen der Jetztzeit (Mimesis, Alterität); Ideen und Ideale einer historischen Adels- und Kriegerkultur; nicht zuletzt die spezifischen narrativen und poetischen Verfahren der Textsorte (Erzählschemata, syntagmatische und paradigmatische Kohärenzbildung, Finalität).

Zusätzliche Informationen

Erwartete Teilnehmerzahl: 30