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Germanistische Sprachwissenschaft

Was ist eigentlich Sprachwissenschaft?

Die Linguistik oder Sprachwissenschaft beschäftigt sich mit Sprache in all ihren Formen und Anwendungen. Linguisten interessieren sich zum Beispiel für Fragen wie diese:

  • Sprechen wir, wie wir denken, oder denken wir, wie wir sprechen? Wie wirkt sich Sprache auf unsere Wahrnehmung und unser Verständnis der Welt aus?
  • Was ist das eigentlich, „Deutsch“? Gibt es das Deutsche? Warum sprechen wir dann anders mit unseren Freunden als mit Amtspersonen, schreiben anders, als wir sprechen, und schreiben Sachtexte nicht in Versen und Reimen?
  • Wie ist aus dem mittelhochdeutschen wîp das neuhochdeutsche Weib geworden? Und warum gilt es heute meist als unhöflich, seine Ehefrau Weib zu nennen, während im Englischen das verwandte wife ganz normal ist?
  • Verkommt die Sprache, weil alle nur noch in Abkürzungen und mit Emoticons kommunizieren? 😉 Und hat der Genitiv wegen dem Sprachwandel – oder wegen des Sprachwandels? – noch eine Zukunft?
  • Ist es richtig, gewunken zu sagen? Und heißt es dann auch ich winke, ich wank, ich habe gewunken? Warum haben wir überhaupt verschiedene Systeme, um Verbformen zu bilden?
  • Kann man irgendwo nachschlagen, was richtig, nicht richtig, gebräuchlich, passend, unschicklich oder rhetorisch elegant ist? Wer entscheidet so etwas – und wie?
  • Wie verstehen eigentlich Siri, Alexa oder Cortana, was ich von ihnen will?
  • Wie erlernen Kinder ihre Muttersprache? Wie erlernen Jugendliche und Erwachsene später z.B. Deutsch als Fremdsprache? Welche Probleme und Fehler sind dabei typisch?
  • Was passiert im Gehirn, wenn wir sprechen, hören, lesen oder schreiben? Wie wirken sich Gehirnverletzungen und -schäden auf unsere sprachlichen Fähigkeiten aus?

Linguistik ist also mehr als bloß Grammatik. Neben der Beschäftigung mit der Struktur oder dem System einer Einzelsprache (auf Laut-, Wort-, Satz- oder Bedeutungsebene) sind für Sprachwissenschaftler auch Fragen der Praxis hochinteressant. Dazu ist es oft nötig, interdisziplinär zu arbeiten, also auf Wissen und Methoden anderer Fachrichtungen zurückzugreifen, z.B. der Soziologie, Psychologie, Medizin, Informatik, Politikwissenschaft, Kriminologie oder Kulturwissenschaft.

Entsprechend vielfältig sind auch die Berufe, in denen man Linguisten nach ihrem Studium findet. Außerhalb der Wissenschaft arbeiten Linguisten etwa als Redakteure, in der Sprachlehre oder Erwachsenenbildung, im Verlagswesen oder Lektorat, in der Sprach- oder Kommunikationsberatung, im Marketing oder in Software-Firmen.

Wie läuft das Studium ab?

Zu Beginn des Bachelor- und Lehramtsstudiums geht es vor allem darum, wie das Deutsche als Einzelsprache aufgebaut ist und wie es sich zu dem entwickelt hat, was es heute ist. Lehrveranstaltungen für Fortgeschrittene bieten danach die Möglichkeit, sich eingehender mit Themen zu beschäftigen, die einen besonders interessieren, z.B. mit Dialekten, Jugendsprache, Wörterbucherstellung, Bedeutungswandel oder den Bedingungen für das Gelingen sprachlicher Kommunikation. Dazu gehören auch passende methodische Zugänge: Wie erstellt man einen guten Fragebogen? Wie arbeitet man sinnvoll und effizient mit großen Text- und Belegsammlungen (Korpora)? Wie wertet man erhobene Daten statistisch aus?

Jedes Semester findet außerdem eine Gastvortragsreihe statt, die abwechselnd vom Interdisziplinären Zentrum für Dialekte und Sprachvariation und vom Interdisziplinären Zentrum für Lexikographie, Valenz- und Kollokationsforschung ausgerichtet wird und Studierenden aller Semester weitere Perspektiven eröffnet.

Die germanistische Sprachwissenschaft ist darüber hinaus Bestandteil folgender Master-Programme:

Wer gerne programmiert (oder das noch lernen möchte) ist womöglich im Bachelor-Studiengang Linguistische Informatik richtig aufgehoben, der sich auch gut mit Germanistik kombinieren lässt. Hier bringt man Computern das Sprechen und Verstehen bei, sortiert riesige Textmengen automatisch nach Themen, ermittelt statistisch auffällige Wortkombinationen in Texten oder entwickelt Methoden, um Bots im Internet von realen Personen unterscheiden zu können.

Veranstaltungshinweise