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M/SM: Gefühlte Politik – Politik der Gefühle: Kalkül und Inszenierung von Affekten im 'Nibelungenlied' und in der 'Klage'

Dozent/in

Details

Zeit/Ort n.V.

75703

  • Mo 10:00-12:00, Raum B 301 (außer vac) ICS

*Dieses Seminar wird auch als Bachelor-Hauptseminar im Vertiefungsmodul angerechnet.

Inhalt

Die ästhetische Vermittlung von Gefühlen ist ein anspruchsvolles Unterfangen. Eine gewisse Berühmtheit erlangte die Anekdote über den griechischen Maler Timanthes, der das Antlitz des Agamemnon mit einem Schleier verdeckt haben soll, um nicht dessen Gesichtsausdruck im Anblick der Opferung seiner Tochter Iphigenie malen zu müssen (s. dazu Konersmann 1994). Auch im Medium der mittelalterlichen Literatur werden Gefühle facettenreich verschleiert und/oder reflektiert: Entsetzen, Freude, Zorn oder auch Traurigkeit/Trauer werden sehr deutlich kommentiert, wenn sie im politischen Diskurs zur demonstrativen Inszenierung von Machtgefügen und Herrschaftskonstellationen dienen. Ziel ist es daher, im Laufe des Semesters die Eigenart dieser Gefühle (Emotionen und Affekte) zu hinterfragen und sich insbesondere auf die heldenepische Gefühlswelt als Bestandteil einer "nibelungischen Anthropologie" (Müller) einzulassen: Wo resultieren Handlungen aus dem Habitus einer Figur, wie werden Gefühle in den hierarchischen Konstellationen inszeniert? Was verbirgt sich hinter den Tränen Prünhilts, wie lässt sich die |eislîche râche| Kriemhilts, der |übermuot| und |zorn| von Hagen und Siegfried, die |angest| Gunthers, die |zageheit| Dietrichs oder das |trûren| Etzels verstehen? Unter Berücksichtigung von Affekttheorien und heldenepischen Erzählstrategien (des Politischen) nähern wir uns diesen Fragen über intertextuelle Vergleiche und die Methode der historischen Semantik.

Zusätzliche Informationen

Erwartete Teilnehmerzahl: 25