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M/SM: Fiktionalität und Kontrafaktizität

Dozent/in

Details

Zeit/Ort n.V.

Das Seminar wird überwiegend in digitaler Form stattfinden.

Inhalt

Fiktionalität bezeichnet die Art der Rede, die eine Welt zum Gegenstand hat, welche nicht (unmittelbar) für wahr gehalten, aber dennoch imaginativ ausgestaltet werden soll. Sie kann sich dabei vieler Medien bedienen – z.B. Bilder, Computerspiele, szenische Inszenierungen, Filme –, ganz besonders aber (literarischer) Texte. Fiktionale Welten sind mögliche Welten bzw. Weltverläufe, auf die auch in ganz alltäglicher, nicht fiktionaler Rede Bezug genommen wird, insbesondere in Kontrafaktualen wie Wenn ich nicht so müde gewesen wäre, wäre ich noch ins Konzert gegangen. Anscheinend liegt Fiktionalität wie Kontrafaktizität dasselbe kognitive Vermögen zugrunde. Sie übernehmen beide wichtige geistige Funktionen, dienen etwa einer speziellen Art der Vermittlung von Weltwissen und Werten, der Auslösung und Ausdifferenzierung von Emotionen, dem Probehandeln ohne Risiken, der Hypothesenbildung, der ‚Entautomatisierung‘ von Wahrnehmungen und Weltbildern sowie auch der Unterhaltung. Angesichts der großen Bedeutung dieser kommunikativen Technik wundert es nicht, dass sie schon seit der Antike und auch gegenwärtig in vielen Kontexten reflektiert wird: Evolutionsbiologe, Geschichtswissenschaft, Psychologie, Logik, Philosophie. V.a. aber diskutieren sie auch Sprach- und Literaturwissenschaft seit einiger Zeit sehr intensiv als einen ihrer zentralen und genuinen Gegenstandsbereiche. Entsprechend gibt es mittlerweile eine Fülle linguistischer, sprachphilosophischer und literaturtheoretischer Beschreibungen und Erklärungsansätze. Das Seminar hat zum Ziel, diese unterschiedlichen Ansätze zu erschließen, zu diskutieren und auf ihre Leistungsfähigkeit zu überprüfen. Es findet gleich in doppelter Hinsicht unter kooperativen Bedingungen statt: Einerseits bringt es Linguistik und Literaturwissenschaft zusammen, andererseits auf digitalem Wege Teilnehmende aus der FAU Erlangen-Nürnberg und der Universität Stuttgart.

Zusätzliche Informationen

Erwartete Teilnehmerzahl: 15