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M/SM: Weimar - Jena. Literatur, gesellschaftliche Kommunikation und Wertebildung um 1800

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Zeit/Ort n.V.

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Die Konstellation Weimar-Jena um 1800 steht für eine außergewöhnliche kulturelle Hochblüte. Bedingt durch fürstliches Mäzenatentum und die Praxis eines aufgeklärten Absolutismus (Herzogin Anna Amalia) werden führende Köpfe in das Herzogtum Weimar geholt (u.a.: Wieland, Herder, Goethe, Schiller); an der Universität Jena entwickelt sich zeitgleich in zahlreichen Disziplinen (Philosophie; Geschichtswissenschaft; Naturwissenschaft; Medizin) ein überaus reges Geistesleben. Gemeinhin steht dabei Weimar für die Ausprägung eines ethisch-ästhetisch ausgerichteten Klassizismus; in Jena etabliert sich die (Früh-)Romantik mit ihrer Verbindung von Wissenschaft und Kunst, Leben und Poesie (u.a.: Gebrüder Schlegel, Schelling, Hegel, Ludwig Tieck, Novalis, Brentano, Gotthilf Heinrich von Schubert, Caroline Schlegel-Schelling, Dorothea Schlegel, Sophie Mereau). Neben den bekannten Dichtern, Philosophen und Wissenschaftlern (von denen hier nur die bekanntesten genannt sind) prägten aber auch andere Akteure die Konstellation Weimar-Jena: Verleger, Theaterleute, Unternehmer, insbesondere auch die vielen am Gesellschaftsleben beteiligten Frauen. Das Seminar wird diese kulturgeschichtlich höchst interessante Situation wenigstens exemplarisch zu verstehen versuchen. Es verfolgt dabei drei Hauptziele: erstens soll das Zusammenwirken der verschiedenen Kräfte (Literatur, Philosophie, (Natur)wissenschaft, Kultur, Politik, Wirtschaft, Alltagskultur) rekonstruiert werden; zweitens geht es dabei auch um die wechselseitige Abgrenzung und gleichzeitige Konturierung der ästhetischen Konzepte von Klassizismus und Romantik (immerhin sind diese beiden bedeutenden Strömungen der deutschsprachigen Literatur um 1800 fast zeitgleich und ortsnah (nur 20 km voneinander entfernt) entstanden; und trotz aller Polemik gegeneinander gab es intensive Austauschprozesse zwischen den Gruppierungen). Drittens soll gefragt werden, welche Wertesysteme sich aus der komplexen Gemengelage in Weimar-Jena um 1800 herausbildeten, die womöglich die kulturelle Identität in Deutschland über Jahrzehnte oder Jahrhunderte nachhaltig geprägt haben. In den Semesterferien (voraussichtlich im März) findet anschließend an das Seminar eine Exkursion nach Weimar statt. Der Seminarplan wird bis Ende August auf studon hochgeladen.

Zusätzliche Informationen

Erwartete Teilnehmerzahl: 15