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Lit AM: Dichtung und Wahrheit im Mittelalter: Ulrichs von Liechtenstein 'Frauendienst'

Dozent/in

Details

Zeit/Ort n.V.

73811

  • Mo 12:00-14:00, Raum 00.3 PSG (außer vac) ICS

Inhalt

Der Frauendienst ist eines der zentralen Konzepte der mittelalterlichen höfischen Literatur: Der Minnesang etwa stilisiert sich oft als Akt eines Minnedienstes, in der höfischen Epik gehört der Dienst einer Dame (im Kampf, im Turnier, auf âventiure...) zu den Kerntugenden des Rittertums. Doch wie war dieses literarisch hundertfach propagierte Konzept in der Lebenspraxis der mittelalterlichen Ritter umzusetzen? Die 'Autobiographie' des Ritters Ulrich von Liechtenstein aus der Mitte des 13. Jahrhunderts scheint auf den ersten Blick eine Antwort auf diese Frage zu bieten. Sie erzählt von Ulrichs angeblichen Kämpfen, Turnieren und Minneliedern, mit denen er gewissen Damen gedient haben will - und verrät dabei immer wieder (und das nicht ganz ohne Augenzwinkern), dass sie selbst eine einzige literarische Selbststilisierung darstellt. Die Frage nach dem Verhältnis zwischen literarischen Konventionen und historischer Praxis wird somit am Ende kaum beantwortet, dafür aber in einer Weise literarisch verhandelt, die im deutschsprachigen Mittelalter kaum ihresgleichen findet. Das Seminar wird sich textnahen Lektüren dieses faszinierenden und einzigartigen Textes sowie Exkursen in einschlägige kulturhistorische Kontexte widmen.

Zusätzliche Informationen

Erwartete Teilnehmerzahl: 25