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LitG AM: Literatur der Rache

Dozent/in

Details

Zeit/Ort n.V.:

  • Di 14:15-15:45, Raum Zoom-Meeting
  • Einzeltermin am 15.01.2021 12:00-18:00, Raum Gr. Hörsaal Bismarckstr. 1a

Prerequisites / Organizational information

Die Seminare finden jede Woche zur genannten Uhrzeit online via ZOOM statt. Ausnahme: An zwei Freitagen im Semester finden 4-stündige Termine vor Ort in Erlangen statt (Großer Hörsaal, Durchführung nach Hygienekonzept der FAU für Präsenz-Prüfungen). Für Risikopatient*Innen wird - je nach technischen Gegebenheiten im Raum - eine Zoom-Teilnahme auch daran möglich gemacht werden. Für die Präsenztermine entfallen ausgleichend Zoom-Termine (Daten werden im Kurs bekanntgegeben).

Inhalt

Die abendländische Literatur wird von ihrem Beginn an durchzogen von Protagonisten (und erstaunlich vielen Protagonistinnen), die nur eines im Sinn haben: Rache. Die Opfer meistens: in der eigenen Familie. Beispiel 1: Es beginnt mit der einzigen überlieferten antiken Tragödientrilogie (Aischylosʼ „Orestie"), wo ein Sohn die Mutter und ihren Liebhaber erschlägt, nachdem diese zuvor den Ehemann und Vater ermordet hatten, der wiederum die gemeinsame Tochter bzw. Schwester Iphigenie geopfert hatte. Im Hintergrund steht dabei u.a. auch ein Fall von erzwungenem Kannibalismus (der Onkel setzte dem Bruder dessen Kinder als Pastete vor) in früheren Generationen. Beispiel 2: Im „Nibelungenlied" heiratet Kriemhild den Hunnen Etzel, um sich blutig an ihren Brüdern und deren Gefolgsmann Hagen zu rächen, die ihren ersten Mann Siegfried ermordet haben. Beispiel 3: Die in der Antike als „Barbarin" mit Migrationshintergrund inszenierte und teils dämonisierte zauberkundige Fürstentochter Medea rächt sich an ihrem griechischen Ehemann, der sie wegen einer griechischen Prinzessin verlässt, indem sie die beiden gemeinsamen Söhne tötet. Alle drei Themenkomplexe werden v.a. im 19. Jahrhundert literarisch immer wieder neu gestaltet. Einige neuzeitliche Autoren umkreisen aber auch gänzlich neue Konfigurationen von Rache und loten dabei die Seelenabgründe des modernen Individuums aus, zudem fragen sie nach den sozialen Bedingungen, die Menschen zu Verbrechern werden lassen und sie zur Selbstjustiz verleiten. Im Seminar diskutieren wir über Texte v.a. von Heinrich von Kleist, Friedrich Schiller, Friedrich Hebbel, Hugo von Hofmannsthal und Hans Henny Jahnn. Je nach Interesse der TeilnehmerInnen kann gegen Semesterende (z.B. in einer der geplanten Präsenzsitzungen) das Spektrum erweitert werden auf die Gegenwartskultur mit zahllosen populären Gestaltungen von RächerInnen – vom Comic bis zu Kinofilmen und TV-Serien. – Zur Vorbereitung empfohlen: Die Lektüre von Aischylosʼ „Orestie" in der Übersetzung von Kurt Steinmann im Reclam Verlag (Gelbe Reihe, RUB 19535, 7 Euro) – zugleich so etwas wie die „Prequel" für Goethes „Iphigenie".

Zusätzliche Informationen

Erwartete Teilnehmerzahl: 25