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LitG AM: Der alte Mann und die Minne. Lieder Reinmars des Alten

Dozent/in

Details

Zeit/Ort n.V.:

73801

  • Fr 14:00-16:00, Raum B 301

Prerequisites / Organizational information

Das Seminar beginnt bereits in der ersten Vorlesungswoche. Die Voraussetzungen für den Scheinerwerb werden in der ersten Seminarsitzung bekanntgegeben.

Inhalt

Kulturelle – mit Blick auf mittelalterliche Literatur heißt das zuvorderst: kulturhistorische – Differenz bedingt Fremdheit. Das Mittelhochdeutsche – damit seine Begriffe -, das kollektive und individuelle Selbstverständnis mittelalterlicher Menschen, ihre Vorstellungen, sozialen Praktiken, Ideale usf. erschließen sich uns nicht von selbst. Erschwerend kommt das fast völlige Fehlen von Zeugnissen dessen hinzu, was wir heute 'Literaturbetrieb' nennen würden. So wissen wir nicht genau, wie etwa die Auftritte professioneller Dichter / Musiker von Minneliedern abliefen und wie sie aufgenommen wurden; wie ernst die Texte als Handlungsanleitungen zu sittengerechtem Liebeswerben genommen wurden; ob sie als authentische Befindlichkeitsäußerungen der Textproduzenten aufgefasst wurden, oder – wie die Forschung heute mehrheitlich glaubt – als poetisch-rhetorisches Spiel mit dehnbarem Regelwerk und pikanter Thematik vornehmlich der augenzwinkernden Unterhaltung des Publikums dienten. Selbst die munter zwischen Liebe, Sich-Verlieben, soziokulturell verankertem Liebeskult und 'Liebe machen' changierende Bedeutung des Lexems "Minne" selbst ist entnervend schwer auf einen Nenner zu bringen.

Doch nicht nur für uns, auch schon für die Zeitgenossen muss der höfische Minnesang eines Reinmar des Alten eine Gattung mit doppeltem Boden gewesen sein, eignet ihr doch etwas wesenhaft Paradoxes: An der Minne angeblich verzweifeln, aber doch eselsstur am Minnewerben festhalten; leiden und gerade im Leiden Erfüllung finden; sich ganz klein machen ('hoch' ist in der Hohen Minne immer die andere) und im richtigen Moment ganz groß auftrumpfen – eine Gattung der inhärenten Widersprüche, des dicken Pathos und der augenzwinkernden Selbstironie, scheinbar gefühlsecht und doch schematisch wie Schach. Anhand einer Auswahl gattungsprägender Texte eines der bedeutendsten deutschen Liebesdichter aller Zeiten will das Seminar trotzdem, nein: deshalb eine Annäherung an diese reizvolle Dichtkunst (und Positionen der einschlägigen Forschung) wagen.

Empfohlene Literatur

Minnesangs Frühling, aktuelle Auflage.

Zusätzliche Informationen

Erwartete Teilnehmerzahl: 25