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UE: Dunkle Bilder. Komplexe uneigentliche Rede in mhd. Literatur

Dozent/in
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Zeit/Ort n.V.
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Kaum eine Tätigkeit wird mehr mit Literaturwissenschaft assoziiert als die Interpretation uneigentlicher, "bildhafter" Rede. Tritt in literarischen Texten an die Stelle semantisch eindeutiger, mehr oder minder unmissverständlicher Sprache das Uneindeutige, Verklausulierte, entstehen allererst Verständnis- und damit Auslegungsprobleme. Die daraus sich ergebende Deutungsoffenheit für die subjektiven Auffassungsbedingungen des einzelnen Rezipienten machen stark von bildhafter Rede geprägte poetische Texte einerseits zur reizvollen, weil herausfordernden und intellektuell stimulierenden Lektüre; im akademischen Kontext sind sie anderseits problematisch, insofern es dort das subjektive Verstehen ihrer Sprachbilder zu objektivieren, methodisch und systematisch zu ordnen, rational zu begründen und im intersubjektiven Diskurs konsensfähig zu machen gilt. Die eine, objektiv „richtige“ Interpretation gibt es nicht – eine gute Interpretation ist letztlich eine, die viele gut finden. Hiermit ist ein Lektüremodus beschrieben, der Studierenden vielfach abverlangt wird – bis hin zu Haus- und Abschlussarbeiten oder Interpretationsfragen in Staatsexamensklausuren. Es lohnt sich folglich, ihn an einem generisch breit gestreuten, für die Germanistische Mediävistik spezifischen Textkorpus einzuüben – einem Korpus, dessen kulturhistorische Alterität weitere Schwierigkeiten mit sich bringt. Denn ob es angemessen ist, mit an moderner Literatur entwickelten Theorien auf "unsere" Texte zu "schießen", ist durchaus umstritten. Wir wollen diesen Streit ein Stück weit nachvollziehen, mithin den Blick kursorisch über die Landschaft der (historischen wie rezenten) Metapherntheorie schweifen lassen. Vor allem aber wollen wir und an einigen Text(stell)en abarbeiten, deren komplexe Bildsprache mehr als genug Raum zur Diskussion bietet – von Minnesang und Mariendichtung bis zu den Großepen Gottfrieds und Wolframs.

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Erwartete Teilnehmerzahl: 15