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Lit AM: Ästhetisches Wahrnehmen in der mittelalterlichen Literatur

Dozent/in
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Zeit/Ort n.V.

Das Seminar beginnt bereits in der ersten Vorlesungswoche, also am 12. April 2021*; die Sitzungen finden *online über Zoom statt (eine eingeschaltete Kamera wird vorausgesetzt).

Die Voraussetzungen für den Scheinerwerb bestehen in der Übernahme eines Referates sowie in der Anfertigung einer Hausarbeit; das Lektürepensum ist relativ hoch, also bringen Sie unbedingt Lust zum Lesen und Diskussionsfreudigkeit mit!

Inhalt

Obwohl dem Mittelalter moderne Medien wie Film und Fernsehen noch fern und fremd waren, wird in der Forschung immer wieder dessen herausragendes Interesse an der Visualität herausgestellt, und dies gerade nicht nur in Bezug auf den Bereich der bildenden Künste, sondern in besonderem Maße auf den der Literatur. Dies zeigt sich beispielsweise an der Vorliebe der Dichter (vor allem des hohen Mittelalters) für ausführliche Beschreibungen von Gegenständen und Kunstwerken (wie sie schon in der Literatur der Antike als sogenannte 'Ekphrasen' bekannt sind) an Schlüsselstellen der Handlung, an ausführlichen Schönheitsbeschreibungen in Lyrik und Epik, die einerseits die begehrte Minnedame in ihrer äußerlichen und innerlichen Vortrefflichkeit profilieren, gleichzeitig aber auch zum Signum des Adeligen als solchem werden, der sich durch sein Strahlen, den |splendor|, von seiner Umwelt abhebt. Seltenere Hässlichkeitsbeschreibungen hingegen werden in ihrer sensationellen Einzigartigkeit geradezu ausgekostet. Doch nicht nur die Beschreibung der ästhetischen Objekte, auch deren Wahrnehmung – sowohl auf Figuren- als auch auf Rezipientenebene –, das sogenannte |schouwen|, das der Befriedigung der Augenlust dienen kann, durch |blicke| aber auch eine zweite Kommunikationsebene eröffnen, spielt eine zentrale Rolle. All dies verdankt sich schließlich der kunstvollen Sprachebene, über die es vermittelt wird. Im Seminar wollen wir uns diesem hochinteressanten, vielseitigen Themenkomplex der Visualisierungsstrategien exemplarisch aus den genannten Richtungen nähern, wobei uns verschiedene "Klassiker" der mittelhochdeutschen Epik und Lyrik als Textgrundlage dienen werden. Das Ziel des Kurses ist es dabei, neben der thematischen Fokussierung auch einen breiteren Überblick über das weite Feld der (vorwiegend hoch-)mittelalterlichen Literatur zu gewinnen, indem verschiedene Autoren und Gattungen wie beispielsweise der Minnesang (Heinrich von Morungen, Walther von der Vogelweide), der Artusroman (vor allem hartmannscher Ausprägung) und der Antikenroman (Heinrichs von Veldeke Eneasroman) in den Blick genommen werden, aber auch theoretische Texte wie die hochmittelalterliche Poetik des Matthäus von Vendôme. Daneben werden auch die mediävistische Forschung maßgeblich prägende Konzepte wie das Wiedererzählen (Worstbrock), die Theorie der Ekphrasis (Wandhoff, Bußmann) und der symbolischen Kommunikation (Althoff) einbezogen. Eine hohe Lesebereitschaft ist also die unumgängliche Voraussetzung zur Teilnahme am Seminar!

Zusätzliche Informationen

Erwartete Teilnehmerzahl: 25