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M/SM: Von Pseudoübersetzungen, Oberflächenübersetzungen, Übersetzungen aus zweiter Hand und anderen Merkwürdigkeiten der Literaturgeschichte

Dozent/in

Details

Zeit/Ort n.V.:

(digital)

  • Di 14:00-16:00

Prerequisites / Organizational information

Das Format des Hauptseminars wechselt zwischen asynchronen und synchronen Sitzungen, d.h. zwischen Gruppendiskussionen per Zoom und Arbeit in Eigenregie. Bitte halten Sie sich also den Zeitslot frei. Weitere Hinweise finden Sie Anfang November auf StudOn.

Ergänzend zum Hauptseminar wird der Besuch der Übung „Von Handwerk und Praxis des Übersetzens" empfohlen.

Inhalt

Die Literaturgeschichte hält so einige Merkwürdigkeiten parat: Nicht nur Goethes Werther, sondern halb Europa schwärmte in den 1760er Jahren von Ossian, dem „Homer des Nordens", dessen wiedergefundene altgälische Gesänge schnell zum schottischen Nationalepos erklärt wurden, sich dann aber als Fake herausstellten. Der angebliche Übersetzer James Macpherson hatte die Verse selbst verfasst. Diderots „Rameaus Neffe" wiederum hat in Goethes Übersetzung erstmals die Bühne der Weltliteratur betreten, weswegen bis heute auf dem Cover der Insel-Ausgabe die fette Aufschrift prangt: „Goethe: Rameaus Neffe". Weil Diderots Originalmanuskript zwischenzeitlich verloren gegangen war, wurde Goethes Übersetzung dann sogar ins Französische rückübersetzt und als Diderots angeblich originaler Text veröffentlicht. Ernst Jandl wiederum ist für eine sprachspielerische und -kritische Form der Übersetzung berühmt geworden, bei der nicht die Bedeutung, sondern der Klang eines Gedichts ‚oberflächenübersetzt‘ wird, so dass aus „my heart" „mai hart" wird. Anschließend werden wir uns anschauen, welche Wandlungen Elizabeth Barrett-Brownings „Sonette aus dem Portugiesischen" (die keine Übersetzung, sondern eine Verschleierung weiblicher Autorschaft sind) erfahren haben, nachdem sie durch die Hände zweier übersetzender Dichterpaare gegangen sind: Rainer Maria Rilke überträgt die Sonette ohne gute Kenntnis des Englischen mithilfe von Alice Faehndrich ins Deutsche und Uljana Wolf & Christian Hawkey lassen in „Sonne from Ort. Ausstreichungen/Erasures" das englische Original und Rilkes Übertragungen noch einmal miteinander ins Gespräch kommen.

Zusätzliche Informationen

Erwartete Teilnehmerzahl: 15