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M: Verwandlungen - intertextuell, intermedial und interkulturell, ausgehend von den Werken Ovids, F. Kafkas, C. Ramsmayrs und Y. Tawadas

Dozent/in

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Zeit/Ort n.V.:

Die LV wird vorwiegend synchron über Zoom zum angegebenen Zeitslot stattfinden.

  • Do 9:00-12:00, Raum Zoom-Meeting

Inhalt

Ovid schreibt in seinen berühmten Metamorphosen, im 15. Buch in der Rede des Pythagoras, Z. 177-261:

Es gibt im ganzen Weltkreis nichts Beständiges. Alles ist im Fluss, und jedes Bild wird gestaltet, während es vorübergeht. Ja, auch die Zeiten gleiten in ständiger Bewegung dahin, nicht anders als ein Strom. Denn stillstehen kann weder der Fluss noch die flüchtige Stunde ... Ding behält seine eigene Erscheinung, und die ewig schöpferische Natur lässt eine neue Gestalt aus der anderen hervorgehen, und - glaubt mir - in der ganzen Welt geht nichts zugrunde, sondern es wandelt sich und erneuert sein Gesicht ... während vielleicht das eine hierhin, das andere dorthin übertragen wird, bleibt doch insgesamt alles bestehen.

Die Welt, der Mensch, aber auch die Kunst und Ideen scheinen sich zwischen den Polen einer Essenz der Erkenntnisse, ihres Wachstums, zyklischer Zerstörung und Verfall und permanenter Verwandlungen zu bewegen. Dieser 'Denkbewegung' und Idee von Kreativität über zweitausend Jahre hinweg mit den Mitteln aktueller Theorien auf die Spur zu kommen, ist Inhalt und Ziel dieses Seminars.
Wir lesen zunächst den die Weltliteratur prägenden Prätext, Ovids Metamorphosen|; wir werfen einen Blick auf die Rezeption, auf Illustrationen und aus diesem Werk hervor gegangene Stoffe und Motive wie zum Beispiel: Orpheus und Eurydike, die Nymphe Echo und der unglückliche Narziß, die Verwandlung der Arachne in eine Spinne, siehe etwa: Ovid Illustrated: The Reception of Ovid's |Metamorphoses in Image andText (https://ovid.lib.virginia.edu/ovidillust.html)
Ein weiterer Fokus des Seminars liegt auf dem berühmten Werk Franz Kafkas Die Verwandlung, dessen erste Zeilen lauten: „Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt."
Hier interessieren wir uns auch für exemplarische intermediale 'Verwandlungen' etwa in Eric Corbeyran und Richard Horne: Die Verwandlung von Franz Kafka| (München: Knesebeck 2010) oder Peter Kupers Adaption |The Metamorphosis als Graphic Novel von 2003.
Zwei weitere sehr unterschiedliche Werke der aktuellen deutschsprachigen Literatur beschäftigen uns dann:
Die letzte Welt| ist ein (postmoderner) Roman von Christoph Ransmayr, der 1988 erschien und hochgelobt wurde! Wir analysieren diese komplexe, verschiedene Zeitebenen verschränkende Erzählung von Cottas Reise nach Tomi am Schwarzen Meer, der Ovids Werk bewundert und hier versucht, herausfinden, ob der Dichter in der Verbannung verstorben ist. Cotta verfolgt die rätselhaften Zeichen der |Metamorphosen – in Bildern, mythologischen Figuren, wunderbaren Begebenheiten und verwandelt sich dabei selbst …
Ausgehend von Yoko Tawadas Tübinger Poetikvorlesungen. Verwandlungen| lesen wir von ihr: |Opium für Ovid. Ein Kopfkissenbuch für 22 Frauen (2000). Die japanische Autorin Yoko Tawada schreibt in deutscher Sprache. Zentrales Thema in ihren poetischen wie essayistischen Werken ist die Erfahrung der Fremdheit – das Schreiben in der Nicht-Muttersprache, der Blick auf das Andere; dies wirkt zugleich auf ihre Selbstwahrnehmung und den Umgang mit Sprache, ihre Möglichkeiten und Grenzen als metareflexive interkulturelle Begegnung von Texten, Menschen und Zeiten.

Zusätzliche Informationen

Erwartete Teilnehmerzahl: 15