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M/SM: Das Gespräch. Konventionen, Konzepte und Spielarten in der Literatur.

Dozent/in
Details
Zeit/Ort n.V.
  • Mi 8:30-10:00, Raum Zoom-Meeting .ics

Die Lehrveranstaltung findet synchron zur angegebenen Zeit via Zoom statt. Erwartet wird eine Teilnahme mit Bild (die u.a. auch vom Smartphone aus möglich ist), da der nonverbale Kommunikationskanal für eine gelingende Lehrveranstaltung unverzichtbar ist. Selbstverständlich können Sie einen virtuellen Hintergrund verwenden. Stellen Sie bitte rechtzeitig sicher, dass Sie über eine ausreichende Internetverbindung und über ausreichendes Internetvolumen verfügen.

Inhalt

Das Gespräch als anthropologische Konstante menschlicher Verständigung ist auch in der Literatur eine zentrale Form der Unterhaltung, des Austauschs und der Erkenntnisstiftung. Dabei reicht das Spektrum vom vergnüglichen Zeitvertreib über die gehobene (oder auch banale) Konversation bis hin zum konfliktreichen Schlagabtausch, zur philosophischen Übung oder auch zur Einsamkeit des ‚Selbstgesprächs‘. Das Gespräch ist aber nicht nur ein Instrument der Kommunikation, sondern es bietet auch den Anlass für Reflexionen über sie: über das Gelingen oder Misslingen der sprachlichen Begegnung, über Formen der Gemeinschafts-Bildung, nicht zuletzt über ein philosophisch-ethisches Ideal des Dialogs. Neben den unterschiedlichen Funktionalisierungen des Gesprächs als Kommunikationsform erscheint ebenso interessant der historische Wandel, dem die vielfältigen Auffassungen und Ausrichtungen des Gesprächs unterliegen. So wird etwa im Barock mit den Frauenzimmer-Gesprächs-Spielen (Harsdörffer) ein streng geregeltes Bildungsritual errichtet; die Aufklärung entwickelt das Konzept der Geselligkeit und des vernünftigen Austauschs im Zeichen eines toleranten Gesellschaftsmodells (Moralische Wochenschriften; Lessings Nathan). Im Klassizismus gilt dagegen das „Gespräch“ als höchstes Ideal einer humanen Gesinnung (Goethes Märchen, Iphigenie). Die Romantik spannt den Bogen von Schlegels romantischer Geselligkeit und ‚Symphilosophie‘ (Gespräch über die Poesie) bis zu E.T.A. Hoffmanns Persiflage der bürgerlichen Salonkultur und der gleichzeitigen Feier eines elitären Gesprächszirkels (Die Serapionsbrüder). Gespräche in der Moderne stehen demgegenüber zunehmend im Zeichen der bürgerlichen Konvention (Thoman Mann, Der Zauberberg), der Kritik an der gesellschaftlichen Diskursmacht (Bertolt Brecht, Flüchtlingsgespräche) oder eines fundamentalen Sinnverlusts (Beckett, Warten auf Godot); sie arbeiten sich ab am Verdikt der Sprachkrise (Paul Celan, Gespräch im Gebirg), der Vereinzelung des Subjekts (Ingeborg Bachmann, Telefongespräche in Malina) und eines radikalen epistemischen und psychosozialen Skeptizismus (Ronald D. Laing, Knoten). Das Seminar entfaltet seine Überlegungen zu einer Kulturgeschichte des literarischen Gesprächs auf drei Ebenen. Am Anfang steht eine Auseinandersetzung mit ausgewählten philosophischen Ansätzen, diese reichen vom sokratischen Dialog bis hin zu Jürgen Habermas‘ Konzept einer ‚herrschaftsfreien Kommunikation‘. Im zweiten Schritt erfolgt eine ebenso historische wie systematische Differenzierung. Es werden in diachroner Perspektive verschiedene markante Konventionen und Konzepte des Gesprächs erarbeitet (Barock, Aufklärung, Klassizismus, Romantik, Realismus, Moderne, Gegenwart); diese Auseinandersetzung wird begleitet von exemplarischen Gesprächsanalysen (auch mit linguistischem Know-how), die sowohl verschiedene Spielarten von Gesprächen betreffen (Unterhaltung und Konversation, Streitgespräch und Schlichtungsgespräch, gelehrter Disput Selbstgespräch) als auch in verschiedenen Gattungen realisiert werden (Drama; Ballade; Novelle; Roman). Am Rande können auch Bilder und Musik einbezogen werden (Concertare ist wörtlich das ‚Zusammenwirken‘ oder ‚Wettstreiten‘) Ein Plan mit genauen Lektürehinweisen wird Mitte März auf studon hochgeladen (Passwort: Gespräch).

Zusätzliche Informationen

Erwartete Teilnehmerzahl: 20