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Internationale Fachtagung: Literarische Irrtümer: Figurationen des Irrtums in der skandinavischen Literatur

27.-29.9.2018
Egloffstein’sches Palais, Friedrichstr. 17, Erlangen
Professur für Skandinavistik/Komparatistik
FAU Erlangen-Nürnberg.

 

Wir leben um Alles verkehrt zu machen
(Arno Schmidt, Zettel 3340 zum Fragment »Julia, oder die Gemälde«)
If failure is inevitable, then the goal must be to fail in interesting ways.
(Robert Tally, Translator’s preface, in: Westphal: Geocriticism)

 

Die Professur für Skandinavistik der FAU Erlangen-Nürnberg veranstaltet am 27.-29.9.2018 eine internationale Fachtagung zum Thema »Literarische Irrtümer: Figurationen des Irrtums in der skandinavischen Literatur«.

Über Fake News und andere Formen der (Selbst-)Täuschung macht man sich derzeit viele Gedanken. In Abgrenzung zu solchen bewussten Täuschungsmanövern und Fehlinformationen will die Tagung jedoch mit dem Irrtum die unbewussten und versehentlichen Mechanismen der Alltagsbewältigung und ihre literarischen Funktionen in den Blick nehmen. Da sich in Erzählungen und literarischen Verfahren oft Ambivalenzen manifestieren, die ungelöste oder verdrängte Probleme der Realität ausmachen, dient die Untersuchung von literarischen Figurationen des Irrtums v.a. der Frage nach seinem Reflexionspotential im Zusammenspiel epistemologischer und poetologischer Ausprägungen.

Irren ist Teil der anthropologischen Grundbestimmung des Menschen, und die Reflexion über Irrtümer gilt als menschliches Spezifikum. So sind Irrtümer einerseits grundlegendes Movens für philosophische Wege zu Wahrheit und Erkenntnis, andererseits können sie, mit Freuds Psychopathologie des Alltagslebens, als »sinnvolle Mechanismen« des Unbewussten beschrieben werden. Während im skandinavischen Sprachgebrauch die Grenzen weniger klar zu sein scheinen (Irrtum als misstag/mistak, fejl/fel, fejltagelse, vildfarelse, misforståelse), grenzt sich der Irrtum im Deutschen (laut philologischer und philosophischer Begriffsbestimmungen) von der Lüge durch Unbewusstheit und vom Fehler durch Unvermeidbarkeit ab. Insofern wirft er Fragen nach den damit verbundenen Bedingungen menschlichen Handelns auf, nach Handlungsfreiheit, Souveränität und Selbstbestimmung. Da Irrtümer häufig mit Voreiligkeit und übereiltem Handeln zusammenhängen, kann die Erkenntnis und Verarbeitung des eigenen Irrtums immer erst nachträglich erfolgen. Wenn literarische Thematisierungen und Figurationen des Irrtums so auch konventionelle Subjektkonzeptionen und gängige Auffassungen von Linearität, Zeit und Tempo problematisieren, schaffen sie Domänen der Selbstreflexion, die es zu untersuchen lohnt. Zu klären ist dabei zum einen die Position des Irrtums im Feld der Fehler, Pannen, Versprecher, Verirrungen, Missgeschicke, Missver-ständnisse, Missdeutungen und Verwechslungen; zu fragen ist andererseits nach narrativen Funktionen und Konsequenzen von Irrtümern im Sinne der Freud’schen »Abkömmlinge verdrängter Gedanken«, oder auch als Initiatoren oder Komplizen des Zufalls oder der Vorsehung. Irrtümer haben oft nicht nur wesentliche Folgen für den Plot eines literarischen Textes, sondern sie wecken auch Fragen nach den Bedingungen des Schreibens und Erzählens. Ihre Untersuchung soll daher im Versuch münden, eine Poetik des Irrtums zu formulieren.

Mit Beiträgen von Anders Ehlers Dam, Thomas Fechner-Smarsly, Frederike Felcht, Henrike Fürstenberg, Joachim Grage, Dag Heede, Annegret Heitmann, Unni Langås, Katharina Müller, Stig Olsen, Clemens Räthel, Joachim Schiedermair, Andreas Wahlberg, Antje Wischmann, Erik Zillén.

Die Tagung wird gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung.  

 

Mehr Informationen finden Sie bitte hier Flyer_Tagung_LiterarischeIrrtuemer

Prof. Dr. Hanna Eglinger
Professur für Skandinavistik/Komparatistik
Bismarckstr. 1, 91054 Erlangen
Tel. 09131-85-29235 (Sekr.: -22419)
hanna.eglinger@fau.de