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21. Juni 2018: 7. ECHO Lehrerfortbildung

Konformität –  Sprache – Literatur

Sozialisation ist ein vielschichtiger Prozess zwischen Selbstfindung und Anpassung. Das Phänomen der Konformität spielt in diesem Zusammenhang eine spannungsvolle Rolle: Konformität ist zum einen Ausdruck einer Gruppenzugehörigkeit, die Stabilität garantiert und eine positive Orientierung an kollektiven Werten ermöglicht. Zum anderen kann sie das Ergebnis eines hohen sozialen Drucks und Anpassungszwangs sein, der zu Unfreiheit und gesellschaftlichen Ausschließungsmechanismen führt. – Für Jugendliche bedeutet der Konformitätsdruck eine doppelte Herausforderung: Um ihre Identität auszubilden, müssen sie sich zunächst von allgemein gültigen Konventionen abgrenzen und eigene Perspektiven entwickeln – dies führt zu einem generationenspezifisch geprägten ‚konformen Nonkonformismus‘, der sich etwa in der Jugendsprache, in der Kleidung, in bestimmten Moden und Vorlieben sowie in Verhaltensmustern und Kommunikationsformen äußert. Die notwendigen Peer Group-Bezüge leisten, was sie sollen: Abgrenzung von der Erwachsenenwelt. Zugleich werden in diesem Prozess alterstypische ‚Konventionen‘ herausgebildet, die ein hohes Maß an Anpassung erfordern – wie gravierend dieser Gruppendruck sich auswirken kann, sieht man an Phänomenen wie Zickenkrieg‘, Mobbing‘ oder Einzelgängertum.  Es fragt sich im übrigen, ob heutiger Konformismus zusätzlich durch die Omnipräsenz der digitalen Medien und durch den „Maschinengehorsam“ forciert wird, der jedem Nutzer abverlangt wird – auch wenn dies zumeist nicht als Zwang, sondern lustvoll erfahren wird.

Gerade der Deutschunterricht bietet, wie eigentlich immer schon, die Chance, auf die Entwicklungsphasen der Jugendlichen produktiv reflektierend einzugehen. Die Tagung setzt sich folglich das Ziel, jugendlichen Tendenzen zu einem halbbewussten Konformismus konstruktiv zu begegnen, so dass es schließlich zur Selbstfindung und zu eigenständigen Konventionalisierungen – und dies möglichst bewusst – kommen kann. Deshalb fragt die Tagung nach den substantiellen Angeboten, die Linguistik, Mediävistik, Literaturwissenschaft und Didaktik denen machen kann, die tagtäglich in der Institution Schule, genauer in der Institution des Deutschunterrichts, die Jugendlichen auf ihrem schwierigen Weg begleiten.