Navigation

20./21.April 2018: Vergessene Literaturen des langen 19. Jahrhunderts

Jenseits der kanonisierten Literaturen des langen 19. Jahrhunderts besteht ein umfangreiches Korpus an nicht oder kaum erfassten, literarhistorisch und kultursemiotisch aber hochrelevanten Texten. Diese sind zwar im zeitgenössischen literarischen Diskurs etabliert und galten als erfolgreich oder künstlerisch hochwertig (oder beides), treten in der gegenwärtigen Forschung aber bestenfalls als Spezialinteressen auf.

Solche Texte ließen sich behelfsmäßig als ‚Umfeld- oder Breitenliteratur‘ bezeichnen, wobei das damit formulierte Ungleichgewicht gerade nicht impliziert ist. Es geht vielmehr um den Ansatz einer wertneutralen, integralen Literaturgeschichte, die das entsprechende Korpus explizit nicht als Sekundärphänomen betrachtet, sondern auf dessen Neuberücksichtigung innerhalb eines etablierten Wissenschaftsdiskurses respektive der jeweiligen Epochenpoetik abzielt.

Im Zentrum steht dabei die Beobachtung, dass sich im 19. Jahrhundert sowohl komplexe Formen des Mediums der Publikumszeitschrift als auch erstmals ein kommerzieller (Massen-)Buchmarkt sowie eine Kultur der Leihbibliotheken etabliert. Die zu untersuchende vergessene Literatur dieses Marktes rekrutiert sich dabei jedoch entgegen der erwartbaren Kanonisierungsmechanismen nicht aus den trivialen oder wenig populären AutorInnen ihrer Entstehungszeit, im Gegenteil: Eine Analyse des damaligen Buchmarktes zeigt eine heutige Kanonisierung der Literatur des 19. Jahrhunderts, die das florierende literarische Feld ab 1800 nur sehr selektiv abbildet. In diesem Feld finden sich vielgelesene und vielgelobte Texte, die weit populärer waren als die heute bekannten Hauptwerke. Das Anliegen der Tagung ist dementsprechend die exemplarische Revision dieser erst rückblickend als ‚am Rande‘ und ‚in zweiter Reihe‘ wahrgenommenen Werke sowie die Analyse und Neumodellierung eines literarischen Feldes des langen 19. Jahrhunderts.

Hier finden Sie das Programm der Tagung.